Level 1 — Grundlagen anwenden
Du hast deinen ersten Chat mit einer KI hinter dir? Sehr gut. Jetzt lernst du, wie du aus einem einfachen Frage-Antwort-Spiel ein echtes Arbeitswerkzeug machst. Dieses Level bringt dir bei, wie du KI gezielt für Alltagsaufgaben einsetzt – mit besseren Prompts, den richtigen Tools und konkreten Copy-Paste-Vorlagen.
Dein erstes echtes Gespräch mit KI
In Level 0 hast du einzelne Fragen gestellt. Aber die wahre Stärke von KI liegt im Dialog. Ein gutes KI-Gespräch funktioniert wie ein Ping-Pong-Spiel: Du gibst eine Anweisung, bekommst eine Antwort, und baust darauf auf.
Der Trick ist, die KI nicht als Suchmaschine zu behandeln, sondern als Gesprächspartner. Stell dir vor, du arbeitest mit einem sehr schnellen, sehr belesenen Praktikanten zusammen – der braucht klare Anweisungen, liefert aber erstaunliche Ergebnisse, wenn du ihm sagst, was du brauchst.
Praxis-Tipp: Der 3-Schritt-Dialog
- Starte breit: Erkläre dein Ziel und bitte um einen ersten Entwurf.
- Verfeinere: Sag, was dir gefällt und was anders sein soll.
- Finalisiere: Bitte um die finale Version im gewünschten Format.
Dieses Hin und Her ist der Normalfall – nicht die Ausnahme. Erwarte nicht, dass der erste Prompt perfekt sitzt. Die Magie passiert in der Iteration.
Die Kunst des guten Prompts – Die RICE-Methode
Ein guter Prompt ist kein Zufall. Mit der RICE-Methode hast du ein einfaches Rezept, das in den meisten Situationen funktioniert:
Role (Rolle)
Sag der KI, wer sie sein soll. „Du bist ein erfahrener Texter für Social Media“ oder „Du bist eine Lehrerin für die 5. Klasse.“
Instruction (Anweisung)
Was genau soll die KI tun? „Schreibe...“, „Erkläre...“, „Vergleiche...“, „Fasse zusammen...“
Context (Kontext)
Gib Hintergrundinformationen: Für wen ist das? Welcher Tonfall? Wie lang? Welches Vorwissen hat die Zielgruppe?
Example (Beispiel)
Zeig der KI ein Beispiel für das gewünschte Ergebnis. Das ist der mächtigste Baustein – ein Beispiel sagt mehr als tausend Erklärungen.
3 RICE-Prompts zum Nachmachen
Beispiel 1: E-Mail schreiben
Anweisung: Schreibe eine Antwort-Mail an einen Kunden, der sich über eine verspätete Lieferung beschwert.
Kontext: Das Paket kam 5 Tage zu spät. Wir möchten uns entschuldigen und einen 10%-Gutschein anbieten. Maximal 80 Wörter.
Beispiel:„Lieber Herr Müller, vielen Dank für Ihre Nachricht. Wir verstehen Ihren Ärger und...“
Beispiel 2: Lernhilfe
Anweisung: Erkläre mir den Dreisatz.
Kontext: Ich bin 14 Jahre alt und habe morgen eine Klassenarbeit. Nutze Alltagsbeispiele.
Beispiel:„Wenn 3 Äpfel 2 € kosten, wie viel kosten 9 Äpfel?“
Beispiel 3: Brainstorming
Anweisung: Gib mir 10 Ideen für Instagram-Posts für mein Café.
Kontext: Wir sind ein kleines Café in einer Uni-Stadt mit jungem Publikum. Unser Stil ist locker und humorvoll.
Beispiel:„Montags-Post: Foto vom ersten Kaffee des Tages mit dem Text ‘Montag? Nicht ohne uns.’“
ChatGPT vs Claude vs Gemini – Wann welches Tool?
Es gibt nicht „die eine beste KI“. Jedes Tool hat Stärken und Schwächen. Hier eine ehrliche Übersicht (Stand: Frühjahr 2026):
| Tool | Besonders gut für | Kostenlos? |
|---|---|---|
| ChatGPT | Allrounder, Bilder erstellen, Plugins, Code | Ja (Basis) |
| Claude | Lange Texte, Analyse, Nuancen, Dokumente lesen | Ja (Basis) |
| Gemini | Google-Integration, Recherche, multimodal | Ja |
| Perplexity | Faktenrecherche mit Quellenangaben | Ja (Basis) |
Empfehlung für Einsteiger
Starte mit ChatGPT für alltägliche Aufgaben. Probiere Claude aus, wenn du längere Texte analysieren oder schreiben willst. Nutze Perplexity, wenn du Fakten brauchst und Quellen sehen willst.
Texte schreiben lassen – mit Copy-Paste-Prompts
Hier sind fertige Prompts, die du direkt kopieren und anpassen kannst. Ersetze einfach die Platzhalter in [eckigen Klammern]:
Professionelle E-Mail
Text zusammenfassen
Ideen sammeln
Profi-Tipp: Speichere deine besten Prompts in einer Textdatei oder Notiz-App. Mit der Zeit baust du dir so eine persönliche Prompt-Bibliothek auf, die dich immer schneller macht.
Bilder mit KI erstellen
Text ist nur der Anfang. Moderne KI kann auch Bilder generieren – und das erstaunlich gut. Die bekanntesten Tools:
- DALL-E (in ChatGPT integriert) – einfach zu bedienen, gut für schnelle Illustrationen
- Midjourney – produziert künstlerisch hochwertige Bilder, läuft über Discord oder die eigene Website
- Adobe Firefly – speziell für kommerzielle Nutzung gedacht, urheberrechtlich sauberer
Was macht einen guten Bild-Prompt aus?
Bild-Prompts funktionieren anders als Text-Prompts. Hier zählen vor allem:
- Motiv: Was soll auf dem Bild zu sehen sein?
- Stil: Fotorealistisch, Illustration, Aquarell, minimalistisch?
- Stimmung: Warm, kühl, dramatisch, friedlich?
- Details: Beleuchtung, Kamerawinkel, Farben
Beispiel: Bild-Prompt
Tipp: Bild-Prompts funktionieren oft besser auf Englisch, weil die Modelle hauptsächlich mit englischen Bildbeschreibungen trainiert wurden.
Die 3 goldenen Regeln für Fortgeschrittene
1. Überprüfe immer die Antworten
KIs klingen selbstsicher – auch wenn sie falsch liegen. Besonders bei Fakten, Zahlen und Zitaten: Vertrauen ist gut, Gegenprüfen ist Pflicht. Nutze Perplexity für schnelle Faktenprüfung mit Quellenangaben.
2. Iteriere über deine Prompts
Der erste Prompt muss nicht perfekt sein. Nutze den Dialog: „Das geht in die richtige Richtung, aber mach den Ton lockerer“ oder „Kürze das auf die Hälfte.“ Jede Iteration bringt dich näher ans Ziel.
3. Kombiniere verschiedene Tools
Kein einzelnes Tool kann alles am besten. Recherchiere mit Perplexity, schreibe mit Claude, erstelle Bilder mit DALL-E. In Level 2 lernst du, wie du daraus echte Workflows baust.
Zusammenfassung
Du kennst jetzt die RICE-Methode (Rolle, Instruction, Context, Example), weißt, welches KI-Tool wofür geeignet ist, und hast fertige Prompts für deine Alltagsaufgaben. Der Schlüssel ist Übung – je öfter du promptest, desto natürlicher wird es. Wenn du bereit für mehr bist, warten in unserem KI-Kurs vertiefende Lektionen auf dich.